Andacht

Liebe Leser und liebe Leserinnen,

manchmal ertappe ich mich beim Wandern dabei, wenn der Blick in die Ferne schweift und ich bis zum Horizont schauen kann… dann kommt oft dieser seltsame Wunsch auf, jetzt genau dort zu sein, wo sich Himmel und Erde treffen. Am Horizont, sozusagen. Warum möchte ich gern genau an dieser Schnittstelle sein? Weil ich dann hoffe zu sehen,  was dahinter kommt…

Was für ein verrückter Gedanke! Selbst wenn ich fliegen könnte, gibt es doch immer etwas, was vor dem Horizont zu sehen ist: Bäume, Wege, die hinter einer Kurve verschwinden, dann aber wieder auftauchen, eine Ortschaft ganz hinten und dann noch ein Stück weiter, bis dann der Himmel die Erde berührt… so scheint es. Selbst wenn meine Gedanken bis zu dieser Schnittstelle reisen können – der Körper kommt da nicht hinterher. Du hast immer noch einen Weg vor dir… Und doch, jetzt, wenn ich das schreibe, scheint es, als bin ich näher an dieser Schnittstelle dran als sonst.

Es ist das letzte Mal, dass ich hier in unserem Gemeindebrief das „gute Wort aus der Region“ schreibe. Da geht jetzt ein Weg zu Ende und es ist noch nicht abzusehen, wie es danach weiter geht. Das gilt für alle Beteiligten! Ein neuer Abschnitt steht bevor, ohne den „gewohnten Gang“ der so viel Vertrautes und Verlässliches geschenkt hat. Ein neuer Anfang, da mischen sich viele Gefühle hinein. Ich ahne, dass das manchen von uns gerade so geht. Es beginnt etwas Neues mit der Wahl des neuen Pfarrers Richard F. Vlasák und der Umstellung, dass nun nur noch zwei Pfarrer hier in unserer Region tätig sein werden, neben den gemeindepädagogisch und musikalisch hauptamtlich Mitarbeitenden…   Ich bin in den letzten Wochen oft gefragt worden, was denn nun überwiegt, das „lachende oder weinende Auge“ und kann das gar nicht sagen. Es ist ein neuer Lebensabschnitt, auf den es zugeht und von dem ich noch gar nicht weiß, wie es weitergeht „hinterm Horizont“.

Wie oft schon hat es solche Lebensabschnitte in Ihrem/ in deinem Leben gegeben? Welche Stationen hast du schon erlebt, musstest dich durchkämpfen durch Enttäuschungen, Schmerz, Trauer und viele Fragen… Es ist gut, sich das immer mal wieder bewusst zu machen! Denn erst im Rückblick kannst du erkennen, dass es weitergegangen ist. Trotz aller Verunsicherung hast du wieder neu „Fuß gefasst“. Was für ein Segen, das zu jetzt schon zu wissen, wie du über dich selbst hinaus gewachsen bist an dieser Zeit der Ungewissheit.  Ein Bibelwort hat mich in den vergangenen Jahren immer wieder „aufgebaut“, wenn ich mitten im Fragen suchend unterwegs war. Im Psalm 103,2 heißt es: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Wie klug, sich zu erinnern: Das Gute, das ich erlebt habe, kann mir niemand nehmen! Das gibt mir Kraft und Mut, auch unbekannte Wege zu wagen und darauf zu vertrauen, dass es gut wird!  Lobe den Herrn, meine Seele… Diese dankbare Hinwendung zu Gott ist eine großartige Übung. Sie trainiert auch unsere Hoffnung, dass es dann einst „hinterm Horizont unseres irdischen Lebens“ kein Kämpfen und Fragen mehr gibt! Darum, nehmen wir ruhig diese Aufforderung mit:  Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Daran hält fest, Ihre/Eure Pastorin

   Anette Denner

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