Hausandachten Hausandacht Karfreitag

Hausandacht Karfreitag

Vor der „Hausandacht mit und ohne Familien“ am Karfreitag 10.4.2020

Einige kennen dieses Vorwort schon, das geht immer mit! Und ist doch jedes Mal etwas anders.

Eine Hausandacht – das wäre wohl ganz im Sinne von Martin Luther.  Nun zwingt uns dieser Corona Virus dazu, dass wir andere Möglichkeiten nutzen, um als Christen gerade in diesen Zeiten Gottesdienst zu feiern. Also, ihr seid eingeladen, euch zu Hause in der Familie, als Ehepaar oder auch allein diese „Hausandacht am Sonntag“ einzurichten – entweder zur Gottesdienstzeit am Vormittag oder auch ganz anders – ihr könnt da für euch frei entscheiden.

Vorbereitung

Habt ihr eine Kerze bereit und Streichhölzer?

Heute ist das Kreuz ganz wichtig. Vielleicht findet ihr auch einen Dornenzweig zum Zeichen der Schmerzen, die Jesus erlitten hat? Den legt heute mit auf euern Altar.

Und wie sieht es mit einem Glockengeläut aus?

Manche haben eine kleine Glocke zu Hause, vielleicht lässt sich auch eine aus einem Blumentopf basteln? Vielleicht hat jemand sogar eine Klangschale? Also, ein schönes Glas, leicht angeschlagen, würde zur Not auch gehen .

Heute werden die Blumen zur Seite gestellt. Sonst schauen wir ja so gern auf diese Lebenszeichen. Heute wollen wir das Leiden und Sterben Jesu bedenken, wollen irgendwie an seiner Seite sein. Darum gehören die Blumen heute nicht auf den „Altar“ wie in den Kirche am Karfreitag auch.

Vielleicht findet ihr wieder ein passendes Lied zu Beginn eurer Hausandacht? Vielleicht findet ihr die vorgeschlagenen Lieder auch im Internet und könnt sie dann einspielen?

Und noch etwas

Ihr seid frei, für euch zu entscheiden, was ihr von diesen Anregungen zur Vorarbeit verwirklichen wollt. Schön ist es sicher auch, wenn in Familien jedes Familienmitglied eine Aufgabe zur Vorbereitung übernimmt. (Musik aus dem Internet ziehen, Kreuz basteln, den Dornenzweig holen…)

Alle Texte hier sind nur Anregungen. Ihr könnt sie nutzen, auch frei ergänzen. Ihr spürt selber, was euch gut tut oder was weggelassen werden kann.

Alle Lieder (Eingangsmusik) könnten auch vorher im Internet ausgewählt und dann eingespielt werden.

Empfehlung: Wer die Andacht anleiten will, lese sich vorher in Ruhe das Ablaufblatt durch, damit ihr besser auf die Abfolge vorbereitet seid.


Ablauf der „Hausandacht mit und ohne Familien“ am Karfreitag 10.4.2020

Einer: Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Kerze wird entzündet

Alle: Unsere Hilfe steht im Namen Gottes, der Himmel und Erde gemacht hat.

zu Beginn

Heute ist Karfreitag. Weltweit denken Christen heute an Jesu Sterben am Kreuz. Es ist ein stiller Tag für Menschen, denen Jesus wichtig ist. Im Bibelwort für diesen Tag heißt es: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Joh.3,16)

Wir beten:

Gebet: Ewiger Gott, wir sitzen hier zusammen, um das Leiden und Sterben deines Sohnes zu bedenken. Wir bitten Dich, komm uns jetzt nahe. Nimm weg, was uns von dir trennt. Hilf, dass wir auch die schwierigen Gedanken zulassen. Hilf, dass wir auch das aushalten, was wir nicht verstehen. Wir suchen dich Gott, lass dich finden. Amen

Gedanken zum Tag

Der Leidensweg Jesu wird in den Evangelien sehr ausführlich erzählt. Vor allem in den katholischen Kirchen gibt es da oft einen „Kreuzweg“ mit den einzelnen „Kreuzweg-

Stationen“. In diesem Jahr ist es für viele Musiker und Konzertbesucher ein großer Verlust, keine Matthäuspassion von Bach oder ähnliches zu hören. Johann Sebastian Bach hat den Leidensweg Jesu sogar mehrfach musikalisch vertont, je nach den Erzählungen der einzelnen Evangelien. Die Kirchen sind bei solchen Aufführungen sehr gut gefüllt, weil Musik eben doch noch mal ganz anderes berühren kann. Das fehlt nun heute. Mag sein, dass mancher da noch eine CD zu Hause hat und sie heute hören will? Es braucht Zeit, diese Passionsmusiken zu hören. Das ist nicht eben mal schnell ein schönes Lied.

Wenn Sie Gelegenheit und eine CD haben, dann nehmen Sie sich doch heute dazu Zeit.

Für Familien mit Kindern wäre das sicher keine gute Idee.

Vielleicht wäre es gut, gemeinsam zusammen zu tragen, was ihr vom Leidensweg Jesu wisst? Unten (auf Seite 5) gibt es einige Fragen dazu, die euch dabei helfen könnten.

Für Erwachsene schlage ich vor, jetzt ein Gesangbuchlied zu lesen und den Text zu bedenken, vielleicht miteinander zu reden und die Bedeutung dieser Worte für sich suchen, Strophe für Strophe. Und, wenn Fragen bleiben, die Sie nicht klären können, das ist nicht „schlimm“. Manchmal sind Fragen ja besser als Antworten! Gern können wir dann auch gemeinsam am Telefon ins Gespräch kommen. Rufen Sie mich dann dazu an.

Ich entdecke diese alten Karfreitag-Lieder gerade wieder neu.

EG 81 Herzliebster Jesu

1)            Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen, dass man ein solch scharf Urteil hat gesprochen? Was ist die Schuld, in was für Missetaten bist du geraten?

2)            Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet, ins Angesicht geschlagen und verhöhnet, du wirst mit Essig und mit Gall getränket, ans Kreuz gehenket.

3)            Was ist doch wohl die Ursach solcher Plagen? Ach, meine Sünden haben dich geschlagen; ich, mein Herr Jesu, habe dies verschuldet, was du erduldet.

4)            Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! Der gute Hirte leidet für die Schafe, die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte, für seine Knechte.

5)            Der Fromme stirbt, der recht und richtig wandelt, der Böse lebt, der wider Gott gehandelt; der Mensch verdient den Tod und ist entgangen, Gott wird gefangen.

6)            O große Lieb, o Lieb ohn alle Maße, die dich gebracht auf diese Marterstraße! Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden, und du musst leiden.

7)            Ach großer König, groß zu allen Zeiten, wie kann ich gnugsam solche Treu ausbreiten? Keins Menschen Herz vermag es auszudenken, was dir zu schenken.

8)            Ich kanns mit meinen Sinnen nicht erreichen, womit doch dein Erbarmung zu vergleichen; wie kann ich dir denn deine Liebestaten im Werk erstatten?

9)            Ich werde dir zu Ehren alles wagen, kein Kreuz nicht achten, keine Schmach und Plagen, nichts von Verfolgung, nichts von Todesschmerzen nehmen zu Herzen.

10)         Weils aber nicht besteht in eignen Kräften, fest die Begierden an das Kreuz zu heften, so gib mir deinen Geist, der mich regiere, zum Guten führe.

11)         Wenn, o Herr Jesu, dort vor deinem Throne wird stehn auf meinem Haupt die Ehrenkrone, da will ich dir, wenn alles wird wohl klingen, Lob und Dank singen.

Gedanken von eurer Pastorin:

Karfreitag macht mich sprachlos. Damit fühle ich mich näher am Thema dran, als wenn ich versuchen wollte, zu erklären, zu beschreiben oder zu deuten. Ich staune eher, dass Gott diesen grausamen Weg gewählt hat. Und es steigen mir Tränen in die Augen, wenn ich daran denke, dass Jesus diesen Weg auch für mich geht. Damit ich in meinem Leiden weiß: ER ist mir vorausgegangen. ER ist mir nahe, weil ER die Todesangst selber durchlitten hat. Auch die Angst, dass Gott uns verlassen könnte, die hat Jesus benannt. Seine Worte am Kreuz: (Die Evangelisten Matthäus und Markus zitieren aus Ps.22, also, diese Worte sind noch viel älter)

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.Mtth.27,47 und Mk15,34

Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.            Luk.23,46

Es ist vollbracht.               Joh.19,30

So unterschiedlich erzählen, deuten die Evangelien den Tod Jesu am Kreuz. Und, die Unterscheidungen bleiben nebeneinander stehen! Das finde ich besonders gut!

Vielleicht ist jetzt Zeit, einmal zu besprechen, worin sie sich unterscheiden? Wie verschieden diese Kurzgebete Jesu sind!

Wenn Sie/ wenn Ihr entscheiden könnt, welches Wort ist euch jetzt gerade näher? Welches tut ihnen/Euch besonders gut. Welches bleibt Ihnen/Euch irgendwie fremd?

Wer glaubt darf auch Fragen haben. Wer glaubt muss sich nicht in Antworten „einlullen“ oder „einschnüren“. Das wurde oft genug in der Geschichte getan. Fragen im Glauben führen ins Weite, in die Tiefe.

Gleichzeitig lebt mein Glaube auch vom Vertrauen, dass Gottes Liebe weiter reicht, als ich es mir jemals vorstellen kann. Darum halte ich auch aus, was ich nicht verstehe.

Wie ein Säugling, der sich so geborgen weiß in Mamas Schoß. Oder wie ein Kleinkind, dass unerschütterliche weiß, Papa fängt mich auf, und lässt sich fallen…

So möchte ich Gott alles Gute und Großartige zutrauen, ohne alles ergründen zu können, zu müssen. Amen

Wie hieß es im Bibelwort für diesen Tag:

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Joh.3,16)

Ein Lied, das uns heute ein Gebet sein kann

EG 93 Nun gehören unsre Herzen

1)            Nun gehören unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha, der in bittern Todesschmerzen das Geheimnis Gottes sah, das Geheimnis des Gerichtes über aller Menschen Schuld, das Geheimnis neuen Lichtes aus des Vaters ewger Huld.

2)            Nun in heilgem Stilleschweigen sehen wir auf Golgatha. Tief und tiefer wir uns neigen vor dem Wunder, das geschah, als der Freie ward zum Knechte und der Größte ganz gering, als für Sünder der Gerechte in des Todes Rachen ging.

3)            Doch ob tausend Todesnächte liegen über Golgatha, ob der Hölle Lügenmächte triumphieren fern und nah, dennoch dringt als Überwinder Christus durch des Sterbens Tor; und die sonst des Todes Kinder, führt zum Leben er empor.

4)            Schweigen müssen nun die Feinde vor dem Sieg von Golgatha. Die begnadigte Gemeinde sagt zu Christi Wegen: Ja! Ja, wir danken deinen Schmerzen; ja, wir preisen deine Treu; ja, wir dienen dir von Herzen; ja, du machst einst alles neu.

Gebet   (Zur Freien Ergänzung)

Gott, ich will dir danken…
Gott ist bitte dich jetzt...
Gott, ich bitte dich für...

oder/und zum Lesen

Gott, hab Dank, dass wir hier gemeinsam auf dein Leiden und Sterben besinnen konnten. Du gibst deinen Sohn hin in die Not der Welt, gibst dich selber hinein, auch in unsere Not. Lass uns das nicht vergessen. Lass uns dies immer wieder neu bedenken, damit wir wachsen und reifen, auch in dieser schwierigen Corona-Krisenzeit. Danke, dass du uns nahe sein willst und kannst, mehr als wir verstehen. Hilf, dass wir auch den morgigen Karsamstag nutzen, um den Tod Jesu weiter für uns zu bedenken.

Mit seinen Worten beten wir:

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Segen

Guter Gott, segne und behüte uns. Lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig Gott, erhebe dein Angesicht auf uns und schenke uns und deiner Welt deinen Frieden. Amen

Kerze löschen

Fragen zum Leidensweg Jesu    (nicht nur für Kinder  )

Wer hat wen geküsst und warum?

Wer hat seine Hände mit Wasser vor allen Leuten gewaschen und warum? Was haben sie Soldaten mit Jesus gemacht?

Wer hat geschlafen, als Jesus bat, mit ihm zu wachen? Wer hat Jesus verraten?

Was hat Jesus zu den Soldaten gesagt? Wann hat der Hahn gekräht?

Was hat Jeus im Garten Gethsemane gebetet? Was hat ihm geholfen?

Was wollte Petrus?

Wie hieß der Berg, auf dem Jesus gekreuzigt wurde? Wer hat ihm dabei geholfen?

Was hat Jesus am Kreuz gesagt?

Und noch was zum weiterdenken

Ein Mensch, wie Brot

Er lehrte uns die Bedeutung und Würde des einfachen unansehnlichen Lebens, unten am Boden, unter den armen Leuten säte er ein seine unbezwingbare Hoffnung.

Er kam nicht zu richten, sondern aufzurichten, woran ein Mensch nur immer leiden mag. Er kam, ihn zu heilen.

Wo er war, begannen Menschen freier zu atmen. Blinden gingen die Augen auf. Gedemütigte wagten es zum Himmel aufzuschauen und Gott ihren Vater zu nennen. Sie wurden wieder Kinder, neugeboren, er rief sie alle ins Leben.

Er stand dafür ein, dass keiner umsonst gelebt, keiner vergebens gerufen hat, dass keiner verschwindet namenlos im Nirgends und Nie, dass der letzte noch heimkehren kann als Sohn.

Es wurde eine gute Nachricht im ganzen Land, ein Gebet, ein Weg, den man gehen, ein Licht, das man in den Händen halten kann gegen das Dunkel.

Ein Mensch, wie Brot, das wie Hoffnung schmeckt, bitter und süß.

Ein Wort, das sich verschenkt, das sich dahingibt wehrlos in den tausendstimmigen Tod, an dem wir alle sterben.

Ein Wort, dem kein Tod gewachsen ist, das aufersteht und ins Leben ruft, unwiderstehlich, wahrhaftig, dieser war Gottes Sohn.

„Lothar Zenetti“ gefunden in Elsbeth Bihler Symbole III