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Willkommen im Kirchengemeindeverband Seebergen

 

Unsere Jahreslosung für 2018:

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Offenbarung 21,6 (L)

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

Unsere Kirchenmusikerin Anna Löbner hat das Foto für uns bereit gestellt und schreibt dazu:

Im Advent 1623 schrieb der neue Königsberger Pfarrer Georg Weissel zur feierlichen Einweihung der neu errichteten Altroßgärter Kirche der Pregelstadt den Text zu einem Lied, das heute noch immer zur Adventszeit mit Freude und kraftvoll wie eine Hymne gesungen wird.

Zusammen mit dem Lied wird uns auch die Geschichte eines Herrn Sturgis überliefert. Dieser soll nahe der Kirche gewohnt haben und über sein Grundstück führte ein Weg, der das Armenhaus mit dem Gotteshaus verband. Man berichtet, dass er diesen durch das Verriegeln eines Tores abgesperrt hatte, sodass die Bewohner des Armenhauses die Kirche nur noch über einen großen Umweg erreichen konnten. Pfarrer Weissel, so sagt man, hat durch Singen des Liedes Herrn Sturgis dazu bewegt, besagtes Tor zu öffnen und den Armen somit ermöglicht, wieder dem Gottesdienst beiwohnen zu

können.

Sicher können Sie sich jetzt denken, liebe Leserinnen und Leser, über welches Lied ich schreibe. Genau. „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit.“

Ursprünglich sang man das Adventslied zu einem Chorsatz von Johann Stobäus, einem königsberger Kantor und Kapellmeister. Doch seine Weise könnte sich nicht durchsetzen. Erst in dem von Johann Anastasius Freylinghausen im Jahre 1704 erstellten Gesangbuch wurde das Lied mit seiner heutigen, sehr beliebten Melodie versehen. Es ist sogar so berühmt, dass Bands wie „Subway to Sally“ in „Henkersbraut“ und „Oomph!“ in „Feiert das Kreuz“ Teile dieses Adventsliedes verarbeiten.

Pfarrer Weissel eröffnet das Lied mit einem Zitat aus Psalm 24, das sich sehr an die Übersetzung des Martin Luthers anlehnt: „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe!“

Dieser biblische Text gehörte ursprünglich zu einer alten, israelitischen Liturgie, die während der Feier des Einzugs der Bundeslade in den Tempel gesprochen wurde, was theologisch gleichzusetzen ist mit dem Einzug Gottes in sein Volk. Der Text wurde, in Erwartung des Heilands in der vorweihnachtlichen Zeit, früh aufgegriffenen und ist deshalb heute in vielen Liedern zu finden.

Die ersten vier Strophen des Liedes gehören zusammen: Das Bild des einziehenden Königs steht im Mittelpunkt, welcher nicht nur in „Stadt“ und „Land“ einzieht, sondern auch in die Herzen der Menschen. Doch die ersten beiden Strophen erzählen nicht nur vom König, sie beschreiben ihn auch mit Worten, wie „Sanftmütigkeit“, „Heiligkeit“ und „Barmherzigkeit“. Sein Kommen ist Grund zur Freude: „Derhalben jauchzt, mit Freude singt.“

Verbunden werden die vier Strophen mit dem Vers: „Gelobet sei mein Gott“, der Lobruf des Einzelnen, der sich unter den Gesang aller mischt - zugleich ist dies auch die trinitarische Anrufung des Vaters („Schöpfer“), des Sohns („Heiland“) und des Heiligen Geistes („Tröster“), welche in der vierten Strophe nochmal zusammengefasst wird: „Voll Rat, voll Tat, voll Gnad.“

In der letzten Strophe verlässt Weissel das Bild des Königs und spricht vom Heiland. „Komm, o mein Heiland, Jesu Christ, mein Herzens Tür Dir offen ist.“ Er baut damit eine persönliche Beziehung auf, während seine Dichtung die Form eines Gebetes aufnimmt, das nicht nur ihn persönlich einbezieht, sondern alle Menschen einschließt. „Dein Heil’ger Geist uns führ und leit den Weg zur ew‘gen Seeligkeit.“ Er lässt das Lied mit dem ewigen Lob Gottes enden „Dem Namen Dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr!“.