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Willkommen im Kirchengemeindeverband Seebergen

 

Unsere Jahreslosung für 2019:

Suche Frieden und jage ihm nach!

Psalm 34,15

 

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Eben komme ich aus der alten Scheune. Ich bin dabei, „auszumisten“ und wegzuschmeißen, zu sortieren und zu ordnen. Ich habs lange aufgeschoben, vieles hat sich angesammelt:

     So aber deine Hand oder dein Fuß dich ärgert, so haue ihn ab und wirf ihn von dir. Es ist besser, daß du

     zum Leben lahm oder als Krüppel eingehst, denn daß du zwei Hände oder zwei Füße hast und wirst in das

     höllische Feuer geworfen. Und so dich dein Auge ärgert, reiß es aus und wirf's von dir. Es ist dir besser, daß  

     du einäugig zum Leben eingehest, denn daß du zwei Augen habest und wirst in das höllische Feuer  

     geworfen.Matthäus 18,8

Abschneiden, wegwerfen, loslassen. Körperteile, die wichtig sind. Ganz schön hart.

Doch dieses Wort Jesu wird interessant im Umgang mit Krisen. Hand, Fuß oder Auge sind wichtige Organe. Besser ist es jedoch, sich von ihnen zu trennen, wenn sie den Körper zu vergiften drohen, wo sie den Tod für den ganzen Leib in sich tragen. Medizinisch gesehen gibt es da keine Frage. Von einem kranken bzw. krankmachenden Organ trennen uns die Ärzte, wenn es nötig ist. Übertragen auf unsere Seele gilt Gleiches. Und doch drücken wir uns lange, so lange wie möglich. Wir probieren alles, wir heben, wenn nötig die Welt aus den Angeln, aber das Notwendige (das, was die Not wendet) schieben wir weg, solange es geht. Das ist auch normal. Dennoch zählt auch oder gerade das seelische Leben, auch da braucht es manchmal Trennung.

Wo stehen Kirche und Gemeinde in diesem Bild? Ich habe zuweilen den Eindruck, die Gemeinden an der Basis können die Institution Kirche gar nicht mehr gut tragen, weil man ihnen vitale „Organe“ abschneidet, weil man Ihnen die Pfarrer nimmt, die Kantoren und Katecheten, weil sog. Wirtschaftlichkeit in Wirklichkeit aber ein Zahlendenken überall einzieht. Dabei sollen wir aber den Ballast der Kirche, kulturelle und soziale Verantwortung weiter übernehmen, möglichst in einer Sprache, die kaum noch einer versteht und hören kann… Mogeln wir uns vielleicht um etwas herum?

Es gibt eine Sache, die Jesus immer und immer wieder betont. Trennt Euch vom Reichtum. Also: trennt Euch von den vermeintlichen Sicherheiten. Niemandem fällt das wirklich leicht. Aber unsere Kirche müsste es wohl engagierter versuchen. Ja, einen Versuch ist es wert. Jesus sagt zum reichen Jüngling in Matthäus 19: „Verkaufe alles, was du hast und gibt es den Armen, dann folge mir nach.“ Können Sie das? Mir fällt das sehr schwer. Aber genau hier ist der Kern, denke ich.

Und weiter geht die Geschichte:“ …Und er [der reiche Jüngling] ging traurig davon, denn er hatte viele Güter… Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr, als das ein Reicher in den Himmel kommt…“ Der reiche Mann kann Jesus nicht nachfolgen, weil er zu viel besitzt und sich nicht trennen kann. Aber Sie kennen die Stelle. Loslassen kann man predigen, mit vollem Bauch zu fasten ist nicht schwer. Loslassen und sich von wirklich Wichtigem zu trennen, das ist sehr schwer. Und dann kommen die kleinen Flüsterer im Ohr: Machs nicht, nimm’s nicht so wörtlich. Es ist ja nur im übertragenen Sinn gemeint, so und so gemeint, und das ist ja nur ein Bild usw.

Wie wäre es denn, wenn wir das mal ein bisschen wörtlich nehmen: Machen wir uns frei vom Ballast, der uns erdrückt, von den Entzündungen, die uns vergiften, von den Ängsten, die uns von Gott trennen, von den Gütern, die uns abhalten freie Christen zu sein. Das ist ungeheuer schwer, aber es ist unsere Aufgabe, denke ich, wollen wir Kirche sein. Kirche heißt nämlich übersetzt: Die zum Herrn, also zu Christus gehören, die, die ihm nachfolgen. Wollen wir Kirche sein, müssen wir anfangen, uns von Unwesentlichem zu trennen. Das Wesentliche aber dabei nicht aus den Augen zu verlieren.

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit das eine vom anderen zu unterscheiden.

Herr schenke mir den Mut und die Kraft, mich von Unnützem, ja Schwächendem zu trennen

und frei zu werden zum Leben, das du mir schenkst. Amen                                    

Pfarrer Matthias Müller